Standortgerechte Wiederbegrünung mit regionalem Saatgut

Die Wiederbegrünung von Naturflächen ist heute gängige Praxis, wenn Infrastruktur für Verkehrswege, Tourismus, oder Siedlungen mit Eingriffen in die Landschaft verbunden sind. Und auch bei Rekultivierungen, Umweltbaustellen oder für Kompensationsmaßnahmen werden jährlich große Flächen begrünt.

Mit der über Jahre gewachsenen Erfahrung haben sich die Methoden zur Wiederbegrünung verfeinert.  Als ein kritischer Erfolgsfaktor hat sich insbesondere die Verwendung von regionalen Saatgutmischungen herausgestellt.  In die Erforschung einer naturnahen Wiederbegrünung mit standortgerechten, regionalen Saatgutmischungen wurde daher in den letzten 25 Jahren viel Energie investiert. Die Vorteile einer Wiederbegrünung im artenreichen Grünland mit regionalem Samenmaterial sind zahlreich: es wird die floristische Identität der Naturräume bewahrt, die Biodiversität gefördert und eine hohe ökologische Wirksamkeit erzielt.

Werden dagegen kommerzielle Saatgutmischungen verwendet, sind durch die mangelnde Anpassung der Pflanzen an lokale Standortbedingungen oft hohe Ausfallraten zu erwarten. Denn kommerzielle Saatgutmischungen enthalten meist landwirtschaftliche Zuchtsorten und gebietsfremde Arten, die aus anderen Klimazonen und teils anderen Kontinenten stammen (etwa von Neuseeland). Die damit verbundenen Probleme können gravierend sein: Neben einer wirtschaftlichen Fehlinvestition drohen durch gescheiterte Versuche der Wiederbegrünung auch andere Folgen wie etwa die Erosion von ungeschützten Bodenflächen (v. a. beispielsweise an Extremstandorten wie im Gebirge). Die Verwendung von ungeeigneten Saatgutmischungen kann zudem zu einer Florenverfälschung mit unkontrollierter Ausbreitung der Arten, Einkreuzung und auch Verdrängung heimischer Pflanzen führen.

An welchen Hürden scheitert eine weitreichende Verwendung von regional angepasstem Samenmaterial, wenn die Vorteile doch so klar auf der Hand liegen? Drei wesentliche Herausforderungen sind:

1) Es benötigt viel Fachwissen, um erfolgreich zu begrünen. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe komplexe Ökosysteme zu renaturieren und die ursprünglichen Lebensgemeinschaften wieder anzusiedeln. Dabei sind zahlreiche technische und ökologische Faktoren zu berücksichtigen (z. B. Methodenwahl je nach Steilheit des Geländes, Bodenaufbau, Vegetationstyp).

2) Das neueste Fachwissen ist nur zum Teil in einer für Praktiker geeigneten Form aufbereitet.

3) Eine breite Umsetzung erfordert eine Zusammenarbeit mit vielen lokalen Akteuren (z. B. Samenproduzenten, Besitzer von Spenderflächen etc.).

Unser Engagement zielt auf die Förderung der Zusammenarbeit von fachlichen Experten mit Praktikern aus der Landwirtschaft und den Wissenstransfer vom akademischen Umfeld in ein angewandtes betriebliches Umfeld von der Saatgutherstellung bis hin zur Verwendung.

Wir beraten auch direkt bei geplanten Wiederbegrünungen: z.B. wie der Eingriff so naturschonend wie möglich erfolgen kann, welche Methode zur Wiederbegrünung erfolgversprechend ist und wo passende Spenderflächen für lokale Samen zu finden bzw. welche regionale Saatgutmischungen geeignet sind. Zudem informieren wir Praktiker, die sich für die Produktion oder Verwendung von regionalem Saatgut interessieren, über Produktionsmethoden, Anwendungsmöglichkeiten und aktuelle Trends der Branche.

Unsere Begeisterung für dieses Thema wurde mit der mehrjährigen Tätigkeit im Rahmen des INTERREG-Projektes Alp’Grain in den französischen und italienischen Nordalpen geweckt. In diesem Projekt wurden verschiedene Erntemethoden von und Wiederbegrünungstechniken mit lokalem Samenmaterial zur ökologischen Renaturierung im Alpenraum getestet und die Wirtschaftlichkeit der Ernte und des Verkaufs solcher Saatgutmischen untersucht.

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